Ständiger Harndrang, der sich kaum aufschieben lässt, viele Toilettengänge am Tag und mehrmaliges Aufstehen in der Nacht — die überaktive Blase bestimmt bei vielen Betroffenen den kompletten Tagesablauf. Bei Woman & Health in Wien klären wir die Ursache und stellen mit Ihnen ein Behandlungskonzept zusammen, das von Blasentraining über Medikamente bis zur Botox-Injektion und zum Blasenschrittmacher reicht.
Die überaktive Blase — international Overactive Bladder (OAB) — ist ein Symptomkomplex, keine einzelne Diagnose. Kennzeichnend ist ein plötzlicher, unaufschiebbarer Harndrang (Urgency), obwohl die Blase noch nicht gefüllt sein müsste. Dazu kommen typischerweise:
Man unterscheidet die „trockene“ überaktive Blase ohne Harnverlust von der „nassen“ Form mit Dranginkontinenz. Beide sind behandlungsbedürftig, wenn sie den Alltag beeinträchtigen. Ursächlich liegt meist eine Überaktivität des Blasenmuskels (Detrusor) zugrunde: Er zieht sich zusammen, obwohl die Blase noch Kapazität hätte. Bei einem Teil der Betroffenen findet sich stattdessen eine veränderte Wahrnehmung der Blasenfüllung — auch das ist behandelbar.
Die Behandlung ist komplex und muss individuell angepasst werden: an Ihre Beschwerden, Ihre Lebenssituation, bestehende Begleiterkrankungen und Ihre Begleitmedikation. Ein Standardschema für alle gibt es nicht — genau deshalb nehmen wir uns für die Ersteinstellung Zeit.
Häufig lässt sich keine einzelne Ursache benennen. Diese Faktoren können eine überaktive Blase aber auslösen oder verstärken und werden von uns gezielt abgeklärt:
Woman & Health ist auf Frauengesundheit spezialisiert — in der Urologie behandeln wir ausdrücklich auch männliche Patienten. Beim Mann ist es besonders wichtig, vor jeder Therapie zu klären, ob hinter den Drangsymptomen eine Abflussbehinderung durch die Prostata steckt. Behandelt man in diesem Fall nur den Drang, kann sich die Blasenentleerung verschlechtern und der Restharn ansteigen.
Die Diagnostik verfolgt zwei Ziele: behandelbare Ursachen finden und die Drangkomponente von anderen Inkontinenzformen abgrenzen.
Am Anfang steht immer die konservative Therapie. Sie ist wirksam, nebenwirkungsarm und die Basis für alle weiteren Schritte.
Blasentraining bedeutet, die Blase schrittweise wieder an größere Füllmengen zu gewöhnen. Viele Betroffene gehen vorsorglich zur Toilette, um einem „Unfall“ zuvorzukommen — dadurch verkleinert sich die funktionelle Blasenkapazität weiter und der Drang kommt immer früher. So gehen wir vor:
Ergänzend wirksam sind:
Reicht das Training nicht aus, kommen Medikamente hinzu. Wir wählen sie nach Wirkprofil, Alter, Begleiterkrankungen und vor allem nach Ihrer übrigen Medikation aus.
Wichtig: Medikamente brauchen Zeit. Wir beurteilen die Wirkung nach etwa vier bis acht Wochen und kontrollieren dabei den Restharn. Nicht jedes Präparat passt zu jedem Menschen — ein Wechsel innerhalb der Substanzklasse ist üblich und oft erfolgreich. Kontraindikationen wie ein Engwinkelglaukom oder eine relevante Blasenentleerungsstörung klären wir vorab ab.
Wenn nicht-operative Therapien keinen ausreichenden Erfolg gebracht haben oder von inakzeptablen Nebenwirkungen begleitet waren, ist die Injektion von Botulinumtoxin (Botox) in den Blasenmuskel eine etablierte Option — insbesondere bei Dranginkontinenz.
Wirkprinzip: Botulinumtoxin blockiert die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel. Der Blasenmuskel wird in der Füllungsphase ruhiger, die Blase fasst wieder mehr, der Harndrang tritt seltener und weniger heftig auf. In der Folge sind die Toilettengänge seltener und der Harnverlust nimmt ab oder verschwindet.
Ablauf: Der Eingriff ist klein und dauert nur wenige Minuten. Über ein Zystoskop wird der Wirkstoff mit einer sehr feinen Nadel an etwa 20 Stellen in die Blasenwand eingebracht, je nach Situation in örtlicher Betäubung oder kurzer Narkose. Ein Harnwegsinfekt muss vorher ausgeschlossen und behandelt sein.
Was Sie erwarten können: Die Wirkung setzt meist innerhalb weniger Tage bis zwei Wochen ein und hält typischerweise sechs bis neun Monate an; danach ist die Behandlung wiederholbar. Vorab besprechen wir:
Ob der Eingriff bei uns oder in einem kooperierenden Zentrum erfolgt, hängt von der gewählten Anästhesieform und Ihrer Gesamtsituation ab. Abklärung, Indikationsstellung und Nachkontrollen liegen in jedem Fall bei unserem Urologie-Team.
Eine zweite Option auf derselben Stufe ist die sakrale Neuromodulation, umgangssprachlich Blasenschrittmacher. Dabei werden über eine dünne Elektrode am Kreuzbein jene Nerven mit schwachen elektrischen Impulsen stimuliert, die Blase und Beckenboden steuern. Das Ziel ist, die fehlgesteuerte Kommunikation zwischen Blase und Nervensystem zu normalisieren.
Das Verfahren läuft in zwei Schritten ab: Zuerst erfolgt eine Testphase über ein bis mehrere Wochen mit einem externen Impulsgeber. Nur wenn sich Ihre Beschwerden in dieser Zeit deutlich bessern — meist gilt eine Verbesserung um mindestens die Hälfte als Erfolg —, wird der Schrittmacher dauerhaft unter die Haut implantiert. Dieses Testprinzip ist ein großer Vorteil: Sie entscheiden auf Basis eigener Erfahrung, nicht auf Basis einer Prognose.
Die sakrale Neuromodulation eignet sich für Dranginkontinenz und überaktive Blase nach erfolgloser konservativer und medikamentöser Therapie, aber auch für bestimmte Blasenentleerungsstörungen und wenn Botox nicht ausreichend gewirkt hat. Als weniger invasive Variante gibt es die perkutane Stimulation des Nervus tibialis am Innenknöchel in Serien von Sitzungen. Die Implantation erfolgt in einem spezialisierten Zentrum, an das wir Sie nach gemeinsamer Indikationsstellung anbinden.
Für den ersten Termin bei uns helfen ein Miktionstagebuch über zwei bis drei Tage, eine vollständige Medikamentenliste inklusive rezeptfreier Präparate sowie vorhandene Harnbefunde, Sonografien und Operations- oder Bestrahlungsberichte. Woman & Health ist eine Wahlarztordination mit zwei Standorten im 1. Wiener Gemeindebezirk; Termine vereinbaren Sie über unsere Online-Terminvereinbarung oder telefonisch unter +43 1 5333 654.
Bei der Dranginkontinenz geht ein plötzlicher, kaum aufschiebbarer Harndrang voraus, und es gehen meist größere Mengen ab. Bei der Belastungsinkontinenz kommt der Harnverlust ohne Drang, direkt gekoppelt an Husten, Niesen, Lachen oder Heben. Treten beide Muster auf, liegt eine Mischinkontinenz vor; wir behandeln dann zuerst die stärker belastende Komponente.
Nein, das ist einer der häufigsten Fehler. Zu wenig Flüssigkeit führt zu stark konzentriertem Harn, der die Blasenschleimhaut zusätzlich reizt und den Drang verstärkt. Sinnvoll ist eine gleichmäßige Verteilung über den Tag mit Reduktion in den zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen.
In der Regel sechs bis neun Monate, bei manchen auch länger. Danach lässt die Wirkung nach und die Behandlung kann wiederholt werden. Vor jeder Wiederholung kontrollieren wir Harnbefund und Restharn.
Bei einem Teil der Behandelten steigt der Restharn vorübergehend so weit an, dass ein Selbstkatheterismus nötig wird. Das ist zeitlich begrenzt und die Technik lässt sich gut erlernen. Wir besprechen dieses Risiko vor dem Eingriff und kontrollieren den Restharn danach engmaschig.
Anticholinergika können bei älteren Menschen die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, besonders in Kombination mit weiteren anticholinerg wirkenden Präparaten. Deshalb prüfen wir Ihre Gesamtmedikation und bevorzugen dann Beta-3-Agonisten oder Substanzen, die kaum ins Gehirn gelangen.
Beides ist möglich und kommt oft gemeinsam vor. Deshalb klären wir vor jeder Therapie mit Uroflowmetrie, Restharnkontrolle und Sonografie ab, ob eine Abflussbehinderung durch die Prostata besteht. Eine reine Drangtherapie ohne diese Abklärung kann die Blasenentleerung verschlechtern.


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