Kaum ein Thema führt zu so vielen Missverständnissen wie die Schilddrüse und das Gewicht. Sie hat tatsächlich Einfluss – aber deutlich weniger, als ihr oft zugeschrieben wird. Und in den Wechseljahren überlagern sich die Beschwerden so stark, dass ohne Blutbild kaum jemand auseinanderhalten kann, woher was kommt.
Auf dieser Seite trennen wir das, was belegt ist, von dem, was gern behauptet wird.
Die Schilddrüsenhormone bestimmen den Grundumsatz mit – also die Energie, die der Körper in Ruhe verbraucht. Bei einer ausgeprägten Unterfunktion sinkt er messbar, und der Körper lagert zusätzlich Wasser ein.
In Zahlen: Die meisten Frauen nehmen durch eine unbehandelte Unterfunktion wenige Kilogramm zu, und ein erheblicher Teil davon ist Wasser. Nach der Einstellung verschwindet meist genau dieser Anteil wieder – der Rest verhält sich wie bei allen anderen auch.
L-Thyroxin ist kein Abnehmmittel
Eine bewusst zu hohe Dosis bringt den Körper in eine künstliche Überfunktion. Der kurzfristige Gewichtsverlust betrifft überwiegend Wasser und Muskelmasse, während Herzrhythmusstörungen und Knochenschwund als Risiko bleiben. Wir verschreiben L-Thyroxin daher ausschließlich zum Ausgleich einer nachgewiesenen Unterfunktion.
Erschöpfung, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme, Haarausfall, unregelmäßige Blutungen, Konzentrationsprobleme: Diese Liste passt auf beide. Und beide beginnen typischerweise in derselben Lebensphase.
Deshalb bestimmen wir bei Frauen um die fünfzig mit solchen Beschwerden grundsätzlich auch die Schilddrüsenwerte, bevor alles den Wechseljahren zugeschrieben wird. Nicht selten liegt beides gleichzeitig vor – dann behandeln wir auch beides.

| Beschwerde | eher Wechseljahre | eher Unterfunktion |
|---|---|---|
| Hitzewallungen, Schweißausbrüche | typisch | untypisch – hier eher Frieren |
| Kälteempfindlichkeit | untypisch | typisch |
| Trockene Haut | möglich | typisch, oft auch kühl und teigig |
| Verstopfung | weniger typisch | typisch |
| Zyklusveränderung | typisch, meist seltener werdend | typisch, oft stärker und länger |
| Schlafstörungen | typisch | möglich |
Diese Gegenüberstellung ist eine Orientierung, keine Diagnose. Sicherheit bringt nur die Blutabnahme.
Dann ist das kein Trostpreis, sondern eine brauchbare Information: Die Schilddrüse ist es nicht. Damit fällt eine mögliche Ursache weg, und wir können gezielt weitersuchen – bei den Wechseljahren, beim Eisen- oder Vitamin-D-Status, beim Schlaf, bei der Belastungssituation.
Weil Gynäkologie, Innere Medizin und Ernährungsberatung bei Woman & Health im selben Haus sind, muss dieser nächste Schritt keine neue Suche nach einer Ordination bedeuten.
Wenn TSH und fT4 im Zielbereich liegen, ist die Dosis richtig – und dann ist die Gewichtszunahme mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die Schilddrüse. Eine Dosiserhöhung würde in diesem Fall nicht helfen, sondern schaden.
Nein. Angebote, die Schilddrüsenhormone oder hochdosiertes Jod zum Abnehmen vermarkten, sind medizinisch nicht vertretbar und bergen echte Risiken für Herz und Knochen.
Eine Östrogentherapie kann den Bedarf an L-Thyroxin erhöhen, weil mehr Bindungseiweiß gebildet wird. Wenn Sie eine Hormontherapie beginnen oder beenden, kontrollieren wir die Schilddrüsenwerte daher einige Wochen später nach.
Ihren Termin im Woman & Health Schilddrüsenkompetenz-Zentrum vereinbaren Sie bitte telefonisch. Wir klären vorab, welche Befunde Sie mitbringen sollten, und finden den passenden Termin an einem unserer beiden Standorte im 1. Bezirk.
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