Hashimoto ist eine chronische Entzündung der Schilddrüse, bei der das eigene Immunsystem das Schilddrüsengewebe angreift. Sie ist die häufigste Ursache einer Unterfunktion – und Frauen sind fünf- bis zehnmal häufiger betroffen als Männer.
Die Diagnose klingt beunruhigender, als sie ist: Hashimoto verläuft in aller Regel harmlos und ist gut behandelbar. Was zählt, ist eine saubere Einstellung und regelmäßige Kontrolle.

Das Immunsystem bildet Antikörper gegen Bestandteile der Schilddrüse. Über Jahre gehen dadurch Schilddrüsenzellen zugrunde, das Organ vernarbt und produziert schrittweise weniger Hormone.
Weil das langsam passiert, gleicht der Körper lange aus. Viele Frauen erfahren erst durch einen Zufallsbefund von ihrem Hashimoto – oder erst dann, wenn sich eine Unterfunktion bemerkbar macht.
Zu Beginn kann es kurzzeitig sogar zu einer Überfunktion kommen: Beim Untergang von Zellen wird gespeichertes Hormon auf einmal freigesetzt. Diese Phase heißt Hashitoxikose, dauert einige Wochen und geht von selbst wieder vorüber.
Drei Bausteine ergeben zusammen die Diagnose:
Der Antikörperwert sagt übrigens nichts über den Schweregrad aus. Ein sehr hoher Wert bedeutet nicht, dass es Ihnen schlechter geht – und ein sinkender Wert ist kein Therapieerfolg. Behandelt wird die Funktion, nicht die Zahl.
Hashimoto kommt selten allein
Autoimmunerkrankungen treten gehäuft gemeinsam auf. Bei entsprechenden Beschwerden denken wir daher auch an Zöliakie, Typ-1-Diabetes, Vitiligo oder eine perniziöse Anämie und klären gezielt ab. Anlasslos suchen wir nicht danach – aber wir haben es im Blick.
Selen: Studien zeigen, dass eine Selengabe die Antikörperwerte senken kann. Ob es Ihnen dadurch tatsächlich besser geht oder der Verlauf günstiger wird, ist nicht belegt. Wir empfehlen Selen daher nicht pauschal, sondern besprechen es im Einzelfall.
Jod: Normale Mengen über die Ernährung sind unbedenklich und nötig. Von hochdosierten Jodpräparaten und Algenprodukten raten wir bei Hashimoto ab – sie können den Verlauf ungünstig beeinflussen.
Diäten: Eine spezielle Hashimoto-Diät gibt es nicht. Wer gleichzeitig eine Zöliakie hat, muss glutenfrei essen; für alle anderen ist der Nutzen nicht belegt.

Solange die Schilddrüse noch genug produziert, wird nicht behandelt – wir kontrollieren einmal jährlich. Entwickelt sich eine Unterfunktion, ersetzen wir das fehlende Hormon mit L-Thyroxin.
Mit gut eingestellten Werten führen die allermeisten Frauen mit Hashimoto ein völlig normales Leben: Sport, Reisen, Schwangerschaft, alles ohne Einschränkung. Planen Sie eine Schwangerschaft, melden Sie sich bitte früh – der Zielbereich ist dann enger, siehe Schilddrüse und Kinderwunsch.
Die Autoimmunreaktion selbst lässt sich nach heutigem Wissen nicht rückgängig machen. Die daraus entstehende Unterfunktion lässt sich aber vollständig ausgleichen – und damit sind Sie beschwerdefrei. In der Praxis ist das für die meisten Frauen der entscheidende Unterschied.
Behandeln müssen wir nichts. Sinnvoll ist eine jährliche Kontrolle von TSH und fT4, damit wir eine entstehende Unterfunktion früh bemerken. Bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft kontrollieren wir engmaschiger.
Stress allein löst keine Autoimmunerkrankung aus. Belastende Lebensphasen, Infekte oder eine Schwangerschaft können aber der Auslöser sein, bei dem eine bereits angelegte Veranlagung erstmals sichtbar wird.
Uneingeschränkt, sobald die Werte im Zielbereich liegen. Bei unbehandelter Unterfunktion fühlt sich Training oft mühsam und wenig ergiebig an – das ändert sich mit der richtigen Einstellung meist deutlich.
Ihren Termin im Woman & Health Schilddrüsenkompetenz-Zentrum vereinbaren Sie bitte telefonisch. Wir klären vorab, welche Befunde Sie mitbringen sollten, und finden den passenden Termin an einem unserer beiden Standorte im 1. Bezirk.
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