Ein Ziehen nach unten, ein Fremdkörpergefühl, eine Blase, die sich nicht mehr richtig entleert: Senkungsbeschwerden verändern den Alltag oft schleichend. Viele Frauen sprechen jahrelang niemanden darauf an, obwohl sich gerade in frühen Stadien viel erreichen lässt. Bei Woman & Health in 1010 Wien klären wir Senkung und Blasenfunktion gemeinsam ab, weil beides medizinisch zusammengehört.
Ein Hinweis gleich vorweg: Woman & Health ist auf Frauengesundheit spezialisiert — in der Urologie behandeln wir ausdrücklich auch männliche Patienten. Männer mit Beckenbodenbeschwerden, Blasenentleerungsstörungen oder Harnverlust nach Prostataoperationen sind bei unserem Urologie-Team ebenso richtig.
Der Beckenboden ist eine mehrschichtige Platte aus Muskeln und Bindegewebe, die Blase, Gebärmutter und Enddarm in Position hält. Lässt seine Tragkraft nach, sinken die Organe in Richtung Scheide ab. Fachlich spricht man von einem Deszensus (Senkung), bei einem Vorfall bis vor den Scheideneingang von einem Prolaps.
Je nach betroffenem Abschnitt unterscheiden wir:
Selten liegt nur ein Abschnitt isoliert vor — meist sind mehrere in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Genau deshalb lohnt sich eine gezielte urogynäkologische Untersuchung statt einer Selbsteinschätzung.
Ein Deszensus ist fast immer das Ergebnis mehrerer Faktoren, die über Jahre zusammenwirken: Schwangerschaften und vaginale Geburten, die Hormonumstellung in den Wechseljahren mit nachlassender Elastizität des Bindegewebes, eine angeborene Bindegewebsschwäche, chronisch erhöhter Druck im Bauchraum durch langjährigen Husten, Verstopfung mit starkem Pressen oder schweres Heben, deutliches Übergewicht sowie Voroperationen im kleinen Becken.
Nicht jede Senkung verursacht Beschwerden, und das Ausmaß im Befund sagt wenig über den Leidensdruck aus. Manche Frauen mit deutlichem Deszensus fühlen sich kaum eingeschränkt, andere leiden bereits bei geringer Ausprägung. Wir orientieren die Therapie deshalb an Ihren Beschwerden, nicht am Befund allein.
Am bekanntesten ist das Druck- und Fremdkörpergefühl, das im Tagesverlauf zunimmt und sich im Liegen bessert. Aus urologischer Sicht spannender ist die Auswirkung auf die Miktion (das Harnlassen). Eine abgesunkene Blase knickt den Blasenauslass ab, ähnlich wie ein geknickter Gartenschlauch. Die Folgen:
Wichtig ist die larvierte (maskierte) Belastungsinkontinenz: Der Knick durch die Senkung wirkt wie ein Verschluss und verdeckt eine Schwäche des Harnröhrenverschlusses. Wird die Senkung operativ korrigiert, kann der Harnverlust erstmals sichtbar werden. Unsere Urologinnen und Urologen prüfen das vor jeder geplanten Senkungsoperation gezielt — das verändert häufig die Operationsplanung. Bei einer Rektozele stehen dagegen Stuhlentleerungsprobleme im Vordergrund.
Wir untersuchen Senkung und Blasenfunktion in einem Termin, weil beides nur gemeinsam sinnvoll zu beurteilen ist:
Sie bekommen den Befund noch im Termin erklärt, inklusive einer verständlichen Einordnung, was das Stadium praktisch bedeutet.
Bei leichten bis mittelgradigen Senkungen beginnen wir grundsätzlich ohne Operation.
Beckenbodentherapie. Angeleitetes Training bei spezialisierten Physiotherapeutinnen, oft mit Biofeedback. Entscheidend ist die Technik — falsches Training mit Pressen verschlechtert die Situation. Es geht nicht nur um Kraft, sondern um Timing: Der Beckenboden muss sich vor Husten oder Heben reflektorisch anspannen und beim Harnlassen vollständig entspannen können.
Lokale Östrogen therapie. Nach der Menopause verbessert sie Durchblutung und Elastizität von Scheiden- und Harnröhrenschleimhaut, reduziert Trockenheit, Reizsymptome und Infektneigung. Sie wird oft begleitend zu Pessar oder vor einer Operation eingesetzt.
Pessartherapie. Ein Pessar aus Silikon stützt die abgesunkenen Organe. Es gibt verschiedene Formen — Ring, Würfel, Schalen- oder Sattelpessar. Viele Frauen lernen, es selbst einzusetzen und zu wechseln. Ein Pessar ist keine Notlösung, sondern eine anerkannte Dauertherapie.
Alltagsanpassungen. Stuhlregulierung zur Vermeidung von Pressen, Behandlung von chronischem Husten, Gewichtsreduktion, Hebetechnik in Beruf und Sport.
Reicht die konservative Therapie nicht aus oder ist die Senkung ausgeprägt, kommt ein Eingriff in Betracht — etwa bei einem Vorfall vor den Scheideneingang, bei relevantem Restharn mit Nierenstau oder bei starkem Leidensdruck trotz konsequenter Therapie.
Operative Verfahren erfolgen im Krankenhaus. Unsere Aufgabe ist die vollständige Vorabklärung, die klare Indikationsstellung, die Beratung zu den Verfahren, die strukturierte Zuweisung und anschließend die Nachbetreuung bei uns. Vor einer Entscheidung sprechen wir immer darüber, ob eine larvierte Belastungsinkontinenz vorliegt, ob die Gebärmutter erhalten werden kann, welcher Zugangsweg infrage kommt, welche Erwartung realistisch ist — inklusive der Möglichkeit einer erneuten Senkung — und welche Belastungen Sie danach vermeiden sollten. Zweitmeinungen bieten wir ausdrücklich an.
Auch nach einem erfolgreichen Eingriff bleibt die Beckenbodenarbeit wichtig, denn die Ursachen verschwinden durch die Operation nicht. In der Nachsorge kontrollieren wir Restharn und Blasenentleerung, klären neu aufgetretenen Harnverlust ab, behandeln Schleimhautprobleme lokal und begleiten den Wiedereinstieg in Sport und Beruf. Bei Pessarträgerinnen vereinbaren wir regelmäßige Kontrollen der Scheidenschleimhaut. Melden Sie sich unabhängig vom Intervall bei Blutungen, Schmerzen durch das Pessar oder verschlechterter Blasenentleerung.
Nein. Ein großer Teil der Beschwerden lässt sich konservativ behandeln — mit angeleiteter Beckenbodentherapie, lokaler Östrogentherapie und gegebenenfalls einem Pessar. Eine Operation wird Thema, wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, die Senkung ausgeprägt ist oder die Blasenentleerung und damit die Nieren gefährdet sind.
Ein bestehender Deszensus bildet sich strukturell nicht zurück. Die Beschwerden lassen sich aber oft deutlich reduzieren, weil ein kräftiger, gut koordinierter Beckenboden das Gewebe stabilisiert. Unmittelbar nach einer Geburt kann sich die Situation in den ersten Monaten noch spürbar verbessern.
Ein richtig ausgewähltes und korrekt sitzendes Pessar spüren die meisten Frauen nicht. Wichtig sind passende Größe und Form — dafür braucht es manchmal ein bis zwei Anpassungstermine. Sport, Arbeit und Geschlechtsverkehr sind je nach Pessartyp möglich; das besprechen wir individuell.
Das entscheidet der Untersuchungsbefund. Häufig beginnen wir mit Beckenbodentherapie und lokaler Hormontherapie, weil beides auf beide Beschwerden wirkt. Vor einer Operationsentscheidung klären wir gezielt, ob die Senkung eine Belastungsinkontinenz verdeckt.
Weil eine abgesunkene Blase sich oft nicht mehr vollständig entleert. Der zurückbleibende Restharn wird nicht ausgespült und bietet Bakterien gute Bedingungen. Wir messen deshalb bei wiederkehrenden Infekten immer den Restharn — die Behandlung der Senkung ist hier oft wirksamer als wiederholte Antibiotikakuren.
Bringen Sie Vorbefunde, Operationsberichte und Ihre Medikamentenliste mit, führen Sie nach Möglichkeit zwei bis drei Tage ein Miktionstagebuch und kommen Sie mit gefüllter Blase, damit wir Harnstrahl und Restharn messen können. Weitere Vorbereitung ist nicht nötig.


Diese Webseite verwendet Cookies. Marketing-Cookies werden erst mit Ihrer Zustimmung verwendet, unsere Website ist werbefrei. Nähere Details finden Sie unter Datenschutz.