In der Schwangerschaft verändert sich die Schilddrüsenfunktion erheblich. Der Bedarf steigt, die Normbereiche verschieben sich, und was vor der Schwangerschaft gut eingestellt war, kann nach wenigen Wochen zu wenig sein.
Deshalb kontrollieren wir in dieser Zeit engmaschiger als sonst – und passen die Dosis rechtzeitig an, statt hinterherzulaufen.

Das Schwangerschaftshormon hCG ähnelt in seiner Struktur dem TSH und stimuliert die Schilddrüse mit. Deshalb sinkt das TSH im ersten Drittel oft unter den sonst üblichen Normbereich – das ist kein Fehler, sondern normal.
Gleichzeitig steigt der Bedarf: Mehr Bindungseiweiß im Blut, ein größeres Verteilungsvolumen und das Kind, das mitversorgt werden will. Für Frauen mit einer bekannten Unterfunktion bedeutet das fast immer eine Dosiserhöhung.
Melden Sie sich bitte, sobald der Schwangerschaftstest positiv ist – nicht erst zum ersten Mutter-Kind-Pass-Termin. Häufig wird die Dosis bereits in den ersten Wochen angehoben, oft um etwa ein Viertel bis ein Drittel.
Danach kontrollieren wir alle vier bis sechs Wochen, bis der Wert stabil im Zielbereich liegt, und danach seltener. Nach der Geburt geht der Bedarf meist wieder auf das Ausgangsniveau zurück.
Eine Überfunktion braucht in der Schwangerschaft besondere Aufmerksamkeit. Die Wahl des Medikaments unterscheidet sich vom Vorgehen außerhalb der Schwangerschaft, und die Dosis wird so niedrig wie möglich gehalten.
Davon abzugrenzen ist die sogenannte Schwangerschaftshyperthyreose: eine vorübergehende, hCG-bedingte Überfunktion im ersten Drittel, oft begleitet von ausgeprägter Übelkeit. Sie verschwindet von selbst und wird in der Regel nicht mit Thyreostatika behandelt.
Etwa fünf bis zehn Prozent der Frauen entwickeln in den ersten Monaten nach der Geburt eine vorübergehende Schilddrüsenentzündung. Typisch ist ein zweiphasiger Verlauf: zuerst einige Wochen Überfunktion, dann eine Phase der Unterfunktion.
Weil Erschöpfung, Haarausfall und Stimmungstiefs nach einer Geburt ohnehin vorkommen, wird das oft übersehen. Bei anhaltenden Beschwerden lohnt sich daher ein Blick auf die Werte – vor allem, wenn TPO-Antikörper bekannt sind.

Stillen und Schilddrüse
L-Thyroxin ist in der Stillzeit uneingeschränkt möglich – es ersetzt nur, was ohnehin körpereigen ist. Auch die gängigen Thyreostatika sind in üblicher Dosis mit dem Stillen vereinbar. Eine Szintigraphie oder Radiojodtherapie ist während der Stillzeit dagegen nicht möglich.
Im ersten Schwangerschaftsdrittel ist ein niedriges TSH häufig und meist harmlos, weil hCG die Schilddrüse mitstimuliert. Entscheidend ist das fT4 und ob Beschwerden bestehen. Wir beurteilen den Wert daher immer im Zusammenhang, nicht isoliert.
Eine routinemäßige Bestimmung ist dort nicht vorgesehen. Bei bekannter Schilddrüsenerkrankung, nachgewiesenen Antikörpern, familiärer Belastung, vorangegangenen Fehlgeburten oder entsprechenden Beschwerden ist die Kontrolle aber klar sinnvoll.
Nein. Richtig dosiert stellt es genau die Versorgung her, die Ihr Kind braucht. Gefährlich ist die unbehandelte Unterfunktion, nicht ihre Behandlung.
Ihren Termin im Woman & Health Schilddrüsenkompetenz-Zentrum vereinbaren Sie bitte telefonisch. Wir klären vorab, welche Befunde Sie mitbringen sollten, und finden den passenden Termin an einem unserer beiden Standorte im 1. Bezirk.
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