Ein Nieser, ein Lachen, ein Sprung beim Sport — und es geht Harn ab. Belastungsinkontinenz ist die häufigste Form des ungewollten Harnverlusts und einer der häufigsten Gründe, warum Menschen Bewegung, Sport und soziale Kontakte meiden. Bei Woman & Health in Wien klären wir ab, wie ausgeprägt die Belastungsinkontinenz ist, und beginnen mit den Maßnahmen, die am meisten bringen und am wenigsten kosten: gezieltes Training und eine kluge Therapieplanung.
Bei der Belastungsinkontinenz — früher Stressinkontinenz genannt, wobei „Stress“ hier körperliche Belastung meint und nicht seelische Anspannung — hält der Verschlussmechanismus der Harnröhre dem plötzlichen Druckanstieg im Bauchraum nicht stand. Beim Husten, Niesen, Lachen, Heben, Laufen oder Springen steigt der Druck in der Blase kurzzeitig stark an; gleichen Harnröhre, Schließmuskel und Beckenboden das nicht aus, geht Harn ab.
Charakteristisch ist das Fehlen eines vorausgehenden Harndrangs: Der Harnverlust kommt unvermittelt, an die Belastung gekoppelt, und endet mit ihr. Die Mengen sind meist klein bis mittelgroß. Genau dieses Muster grenzt die Belastungsinkontinenz von der Dranginkontinenz ab, bei der ein starker Harndrang vorausgeht. Treten beide gemeinsam auf, spricht man von Mischinkontinenz — häufig, besonders ab der Lebensmitte.
Bei Frauen beginnen die Beschwerden oft nach den Wechseljahren, viele bemerken sie aber schon früher: in der Schwangerschaft, nach einer Geburt oder beim Sport. Der Leidensdruck ist hoch, das Thema wird selten angesprochen. Uns ist wichtig, diese Sprachlosigkeit zu durchbrechen — denn Belastungsinkontinenz ist in den meisten Fällen gut behandelbar.
Der Beckenboden ist die zentrale Struktur: Er trägt die Beckenorgane und beteiligt sich aktiv am Verschluss der Harnröhre. Wird er geschwächt oder überlastet, entsteht eine Belastungsinkontinenz. Die wichtigsten Faktoren:
Beim Mann ist die mit Abstand wichtigste Ursache die radikale Prostatektomie, die vollständige Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs. Dabei geht der innere Schließmuskel verloren, die Kontinenz hängt anschließend allein am äußeren Schließmuskel und am Beckenboden. Auch Operationen bei gutartiger Prostatavergrößerung, eine Bestrahlung der Prostata oder neurologische Erkrankungen kommen als Ursache infrage. Woman & Health ist auf Frauengesundheit spezialisiert — in der Urologie behandeln wir ausdrücklich auch männliche Patienten, und die Betreuung nach Prostataoperation ist dabei ein Schwerpunkt.
Für die Therapieplanung ist es hilfreich, den Schweregrad einzuschätzen. Gebräuchlich ist die Einteilung nach Ingelman-Sundberg:
Diese Einteilung ist eine Orientierung, keine Festlegung. Entscheidend bleibt Ihr persönlicher Leidensdruck: Eine Grad-I-Inkontinenz kann für eine sportlich aktive Frau belastender sein als ein höherer Grad bei ruhigerem Alltag. Ergänzend objektivieren wir die Menge mit einem Pad-Test, bei dem eine Vorlage vor und nach einem definierten Belastungsprogramm gewogen wird.
Unsere Diagnostik bestimmt die Form der Inkontinenz und deckt behandelbare Mitursachen auf:
Bei Belastungsinkontinenz steht die konservative Behandlung an erster Stelle, und zwar leitliniengerecht für mindestens drei Monate, bevor über einen Eingriff gesprochen wird. Der Nutzen ist gut belegt, die Risiken sind minimal.
Beim Mann nach Prostatektomie gilt dasselbe Prinzip: Angeleitetes Beckenbodentraining ist die zentrale Maßnahme, idealerweise bereits vor dem Eingriff begonnen und danach konsequent fortgesetzt.
Die medikamentösen Möglichkeiten sind bei Belastungsinkontinenz begrenzter als bei der überaktiven Blase:
Anticholinergika und Beta-3-Agonisten wirken bei reiner Belastungsinkontinenz nicht — sie sind der überaktiven Blase vorbehalten. Bei Mischinkontinenz können sie den Dranganteil bessern.
Wenn die konservative Therapie über einen ausreichenden Zeitraum konsequent durchgeführt wurde und der Leidensdruck bestehen bleibt, sind operative Verfahren eine wirksame Option. Bei Frauen kommen infrage:
Beim Mann, insbesondere nach radikaler Prostatektomie:
Wir sagen Ihnen klar, wo unsere Rolle liegt: Bei Woman & Health erfolgen die vollständige Abklärung, die Einschätzung des Schweregrads, die konservative Therapie und die Indikationsstellung. Operative Eingriffe, die eine stationäre Infrastruktur erfordern, planen wir gemeinsam mit Ihnen und leiten sie an ein kooperierendes Zentrum weiter. Vor- und Nachbetreuung samt Ergebniskontrolle und weiterer Beckenbodentherapie übernehmen wieder unsere Fachärztinnen und Fachärzte für Urologie. Termine vereinbaren Sie über unsere Online-Terminvereinbarung oder unter +43 1 5333 654; unsere Wahlarztordination liegt zentral in 1010 Wien.
Vieles wirkt sofort und kostet nichts:
Erste Verbesserungen spüren viele nach vier bis sechs Wochen konsequentem Training. Für eine faire Beurteilung rechnen wir mit mindestens drei Monaten. Entscheidend ist die korrekte Ansteuerung — deshalb überprüfen wir sie und empfehlen eine angeleitete Physiotherapie statt reinem Eigentraining.
Nein, im Gegenteil — Bewegung ist wichtig und Rückzug aus dem Sport verschlechtert die Situation langfristig. Sinnvoll ist eine vorübergehende Anpassung: weniger Sprung- und Stoßbelastung, dafür beckenbodenfreundliche Alternativen, während Sie das Training aufbauen. Viele kehren danach zu ihrer gewohnten Sportart zurück, teils unterstützt durch ein Pessar beim Training.
Die etablierten Verfahren zeigen in Studien gute und über Jahre stabile Ergebnisse, aber es gibt keine Garantie und jedes Verfahren hat mögliche Nebenwirkungen wie Blasenentleerungsstörungen, Drangsymptome oder Schmerzen. Deshalb klären wir vorher genau ab, welche Form der Inkontinenz überwiegt — eine Operation bei überwiegender Dranginkontinenz hilft nicht.
Beginnen Sie so früh wie möglich mit angeleitetem Beckenbodentraining und geben Sie sich in der Regel sechs bis zwölf Monate Zeit — in diesem Zeitraum bessert sich die Kontinenz bei vielen Männern deutlich. Bleibt danach ein relevanter Harnverlust bestehen, sollten Sie die weiteren Optionen besprechen; ein weiteres Abwarten bringt dann meist keinen Gewinn mehr.
Ja, häufig bestehen Belastungsinkontinenz und eine Senkung von Blase oder Gebärmutter gemeinsam, weil beide dieselben Ursachen haben. Manchmal verdeckt eine ausgeprägte Senkung die Inkontinenz sogar und der Harnverlust tritt erst nach deren Korrektur auf. Deshalb untersuchen wir bei Frauen immer beides gemeinsam.
Pessare sind eine anerkannte Therapieoption, keine Notlösung. Sie eignen sich dauerhaft, situativ zum Sport, in der Schwangerschaft, bei bestehendem Kinderwunsch, bei erhöhtem Operationsrisiko oder einfach dann, wenn Sie keine Operation möchten. Wichtig sind die richtige Größenauswahl und regelmäßige Kontrollen, die wir übernehmen.


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