Sie waren gerade auf der Toilette, aber das Gefühl bleibt, dass etwas zurückbleibt. Der Harnstrahl ist schwach, das Harnlassen dauert lang, oder es geht unbemerkt Harn ab. Blasenentleerungsstörungen sind keine reine Alterserscheinung — sie haben klare Ursachen, die sich abklären lassen. In unserer Ordination in der Wiener Innenstadt finden wir heraus, warum Ihre Blase nicht mehr richtig arbeitet.
Die Blase speichert den Harn, den die Nieren rund um die Uhr produzieren, und entleert ihn zu einem passenden Zeitpunkt vollständig. Bei einer Blasenentleerungsstörung funktioniert der zweite Teil nicht mehr: Der Blasenmuskel (Detrusor) zieht sich zu schwach zusammen, oder der Auslass öffnet sich nicht ausreichend.
Typische Beschwerden:
Bleibt dauerhaft Harn in der Blase zurück (Restharn), staut sich der Druck in Richtung Nieren. Genau das macht die Erkrankung relevant: Eine unbehandelte Entleerungsstörung kann langfristig die Nierenfunktion schädigen. Die Abklärung ist deshalb kein Komfortthema.
Restharn ist die Harnmenge, die nach dem Harnlassen zurückbleibt. Wir messen sie schmerzfrei mit Ultraschall, unmittelbar nach dem Toilettengang. Kleine Mengen sind unbedeutend; relevant wird es, wenn regelmäßig größere Volumina zurückbleiben.
Eine einzelne Messung kann täuschen. Unser Urologie-Team wiederholt sie deshalb bei Bedarf und ordnet sie zusammen mit Harnstrahlmessung, Beschwerdebild und Sonografiebefund ein. Erhöhter Restharn begünstigt Harnwegsinfekte und Blasensteine, weil der Harn nicht mehr regelmäßig ausgespült wird. Wer immer wieder eine Blasenentzündung hat, sollte den Restharn kontrollieren lassen.
Harnlassen ist ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Gehirn, Rückenmark, Nerven, Blasen- und Schließmuskel. Ist diese Steuerung gestört, spricht man von einer neurogenen Blase.
Ursachen im zentralen Nervensystem sind unter anderem Schlaganfall, Multiple Sklerose, Querschnittlähmung, Morbus Parkinson sowie Tumoren oder Operationen an Gehirn und Rückenmark. Im peripheren Nervensystem kommen Polyneuropathie, langjähriger Diabetes mellitus, Nervenverletzungen nach Operationen im kleinen Becken und Bandscheibenvorfälle infrage.
Je nach Schädigungsort entleert sich die Blase unwillkürlich, oder sie lässt sich kaum entleeren. Häufig arbeiten Blasen- und Schließmuskel gegeneinander (Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie). Der Blasendruck steigt dabei stark an — hier ist die Gefahr für die Nieren am größten, im ungünstigsten Verlauf bis zur Dialysepflicht. Deshalb betreuen wir Menschen mit neurologischen Grunderkrankungen in festen Kontrollintervallen, auch wenn sie subjektiv beschwerdearm sind.
Nicht jede schwache Blase hat eine neurologische Ursache. Eine Detrusorunteraktivität — also ein unteraktiver Blasenmuskel — entsteht häufig durch jahrelanges Hinauszögern des Toilettengangs, etwa im Beruf, im Unterricht oder in der Pflege. Der Verlauf ist typisch:
Eng verwandt ist das dysfunktionale Miktionsverhalten (Dysfunctional Voiding): Der Beckenboden entspannt sich beim Harnlassen nicht, sondern spannt gegen den Harnstrom an. Das ist gut behandelbar, weil kein struktureller Schaden vorliegt, sondern ein gestörtes Bewegungsmuster.
Woman & Health ist auf Frauengesundheit spezialisiert — in der Urologie behandeln wir ausdrücklich auch männliche Patienten. Gerade bei Entleerungsstörungen unterscheiden sich die Ursachen deutlich.
Bei Frauen finden wir häufig eine Senkung von Blase oder Gebärmutter, die den Blasenauslass abknickt, Zustände nach Beckenbodenoperationen oder Inkontinenzbändern, Harnröhrenengen, Beckenbodenverspannung sowie Folgen von Bestrahlung oder Chemotherapie im Beckenbereich.
Bei Männern steht die Prostata im Vordergrund: Eine gutartige Vergrößerung engt den Blasenauslass ein, der Blasenmuskel arbeitet dagegen an und ermüdet über die Jahre. Zusätzlich prüfen wir immer die Medikamentenliste — Anticholinergika, bestimmte Antidepressiva, Opioide und manche Erkältungsmittel verschlechtern die Entleerung.
Unsere Fachärztinnen und Fachärzte für Urologie bündeln die Diagnostik in einem Termin:
Den Befund besprechen wir noch im Termin und legen die nächsten Schritte gemeinsam fest.
Wir behandeln so schonend wie möglich und steigern nur, wenn nötig.
Konservativ: Miktionstraining mit festen Zeiten, Beckenbodenphysiotherapie und Entspannungstechniken, Biofeedback, Doppelentleerung, Anpassung von Trinkmenge und entleerungshemmenden Medikamenten.
Katheterisierung: Der intermittierende Einmalkatheterismus ist die schonendste Methode, eine Blase mit hohem Restharn sicher zu entleeren und die Nieren zu schützen. Sie führen ihn selbst durch und bleiben unabhängig von einem Dauerkatheter.
Medikamentös: Substanzen, die den Blasenauslass entspannen, beim Mann Medikamente zur Verkleinerung der Prostata, bei Beckenbodenverspannung muskelentspannende Ansätze.
Elektrostimulation und Neuromodulation: Bei therapieresistenter neurogener Blase kommt die sakrale Neuromodulation infrage — umgangssprachlich Blasenschrittmacher.
Gering invasiv und operativ: Botulinumtoxin in die Blasenwand, Aufweitung von Engen, in seltenen weit fortgeschrittenen Fällen rekonstruktive Eingriffe bis zum Blasenersatz aus Darmanteilen. Solche Eingriffe erfolgen im Krankenhaus — wir stellen die Indikation, koordinieren die Zuweisung und übernehmen die Nachbetreuung.
Suchen Sie umgehend eine urologische Notfallambulanz auf, wenn Sie trotz starkem Harndrang über Stunden keinen Harn lassen können und der Unterbauch schmerzhaft gespannt ist — ein akuter Harnverhalt muss sofort entlastet werden. Ebenfalls rasch abzuklären sind Fieber mit Flankenschmerz, sichtbares Blut im Harn sowie neu aufgetretene Gefühlsstörungen im Reithosenbereich oder Kraftverlust in den Beinen zusammen mit Blasenproblemen.
Alles Nicht-Akute klären wir planbar bei uns ab. Sie erreichen uns unter +43 1 5333 654 oder vereinbaren Ihren Termin online.
Nein. Kleine Restharnmengen sind nicht automatisch krankhaft, besonders wenn Sie beschwerdefrei sind. Entscheidend ist die Kombination aus Menge, Verlauf über mehrere Messungen, Infektneigung und Ultraschallbild der Nieren. Erst dieses Gesamtbild bestimmt, ob behandelt wird.
Meist nicht. Ultraschall, Harnstrahlmessung, Restharnkontrolle und Labor reichen für die Basisdiagnostik. Eine Zystoskopie führen wir gezielt durch, etwa bei Verdacht auf eine Harnröhrenenge, einen Blasenstein oder sichtbares Blut im Harn. Sie dauert wenige Minuten und erfolgt mit Gleitgel-Lokalanästhesie.
Das hängt davon ab, wie lange sie überdehnt war. Frühe Formen bessern sich mit konsequentem Miktionstraining, festen Toilettenzeiten und Beckenbodentherapie oft deutlich. Bei langjährigem Verlauf steht der Schutz der Nieren im Vordergrund, auch wenn die volle Muskelkraft nicht zurückkehrt.
Ja. Bei neurologischen Grunderkrankungen kann der Blasendruck erhöht sein, ohne dass Sie das spüren. Regelmäßige Restharn- und Ultraschallkontrollen erkennen eine beginnende Nierenbelastung, bevor Symptome auftreten. Das Intervall legen wir individuell fest.
Notieren Sie an zwei bis drei aufeinanderfolgenden Tagen jeden Toilettengang mit Uhrzeit und Harnmenge sowie alles, was Sie trinken. Vermerken Sie auch unfreiwilligen Harnabgang und die Stärke des Drangs. Dieses Protokoll sagt oft mehr aus als jede Einzelmessung in der Ordination.
Ein Dauerkatheter ist bei uns nicht die erste Wahl. Wenn eine Entleerungshilfe nötig ist, bevorzugen wir den Einmalkatheterismus zur Selbstanwendung. Er ist infektärmer als ein liegender Katheter und lässt Ihnen deutlich mehr Bewegungsfreiheit.


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